//03 Träume//

Träume sind die verlassenen Kammern hinter unseren Masken.
Für einen Moment blickt die Seele durch die Finsternis
auf die Fragmente unseres eigenen Seins –
wir nehmen Anteil und beobachten doch nur.
Und gehen, bevor der Traum endet.

Sylter Metamorphosen V

Und doch mag es einem Glauben schenken, man könne einfach den Weg entlanglaufen, weiter über das Watt hinaus in das offene Meer, immerfort. Aber je weiter wir gingen, desto näher kämen wir dem Ort, von dem wir einmal aufgebrochen sind. Schliesslich, atemlos ob unserer Reise, ständen wir eines Tages erneut an diesem Weg, von dem wir nun wüssten, dass wir ihn niemals verlassen könnten, so weit und schnell wir auch liefen.

Zeitwert

Was ist die Zeit Wert?
Was ist mir die Zeit wert?
Was ist etwas in der Zeit wert?

Wir alle haben ein beschränktes Kontingent an Zeit.
Niemand weiß, wie viel das ist; niemand kennt sein ganz persönliches Kontingent.
Unsicherheit macht Angst, sagt man.
Macht uns die Unsicherheit über unser Zeitkontingent Angst?
Würde uns Sicherheit darüber unsere Angst nehmen?

Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte:
wie oft wurde diese Frage schon gestellt.
Und: was wäre mir ein weiterer Tag wert, wenn ich ihn kaufen könnte?
Oder ein Monat? Ein Jahr? – Meine Seele?
Das Verweilen des Augenblicks haben schon andere zu erkaufen versucht.

Wir wollen mehr Zeit, und wissen doch nicht einmal, was Zeit ist.
Ein Mehr: wovon? – Keine Materie, kein Begreifen, kein Bezug.
Mehr Zeit haben, was heißt das schon?
Wir können heute nicht mehr Zeit haben:
alle Zeit hier und jetzt auf einem Haufen, vor uns?

Jetzt ist der Augenblick, und der ist zeitlos wie eine Fotografie:
ich kann mir kein Bild machen von der Zeit.
Und selbst ein Film ist nur eine Abfolge von Einzelbildern.
Vielleicht gibt es gar kein Kontinuum,
vielleicht ist Zeit nur die unendliche Taktung von Augenblicken:
gibt ihnen Struktur, ordnet sie in einer stringenten Kontingenz.

Mehr Zeit haben heißt eigentlich nur, dass ein weiterer Augenblick kommt,
immer und immer wieder.
Dass alles irgendwie weitergeht.

Zeit: so kostbar, so flüchtig, so endlich.
Und doch erst wirklich präsent, wenn sie abläuft.

Galerie

Bewegung

Bewegung denken – in unseren Träumen ist alles einfach:
geistige Bewegung als notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung,
um auf dem Lebensweg voranzukommen.

Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis, zwischen innen und außen:
manch einer arbeitet sich in gedanklichen Schleifen auf,
bevor sein Körper überhaupt in Bewegung kommt –
negative Gedanken machen kraftlos, antriebslos, müde.

Wenn die Bewegung also nicht von innen kommt, dann von außen.
Ich denke also nicht Bewegung, sondern ich bewege meine Gedanken von außen:
zu Fuß, beim Schwimmen, auf dem Rennrad.
Die Bilder, die ich dabei sehe, erzeugen Resonanz, Nachhall,
sie bewegen meine Gedanken weiter, wenn mein Körper längst wieder stillsteht.