Aufbruch

 

Beton umgibt den Raum voll Stille,
das Licht nur spärlich – fahl und weit.
Doch wie ein ungezähmter Wille
flaniert mein Denken durch die Zeit.

Verschlossen sind die Eingangstüren,
mein Körper ruht in dunkler Hand.
Der Geist vermag jedoch zu spüren
die Freiheit jenseits dieser Wand.

Ich sehe Farben, Formen, Lichter,
und Fenster dort, wo keine sind.
Erkenne schemenhaft Gesichter,
entdecke Neues wie ein Kind.

Und schließlich öffnet sich der Kerker,
ein weißes Licht fällt grell herein.
Mein Geist und Körper werden stärker:
der Aufbruch in ein neues Sein.

So-sein oder anders-sein?

Wie ist das mit meinem Sein? Ich bin wie ich bin.
Und so wie ich bin, sehen mich andere meist anders.
Doch wer möchte nicht manchmal anders Sein, oder vielmehr:
in seinem Sein anders wahrgenommen werden?

Traurige möchten, dass ihr traurig-sein nicht bemerkt wird.
Lügner möchten, dass ihr verlogen-sein unentdeckt bleibt.
Schwache möchten ihr schwach-sein verbergen.

Und so basteln wir uns Masken, die unser wahres Sein verbergen:
Masken kommunizieren mit Masken kommunizieren mit Masken.

Vielleicht ist es das, was der radikale Konstruktivismus meint:
Alles ist entworfen: wir wollen anders sein –
und leben in einem Masterplan.
Mit Ehrlichkeit hat das nichts mehr zu tun;
und es kostet Kraft, eine Maske zu tragen.

Am Ende brauchen wir all unsere Energie, die Maske aufrecht zu halten.
Und können vor lauter anders-sein-wollen nicht mehr wir selbst sein.