//03 Träume//

Träume sind die verlassenen Kammern hinter unseren Masken.
Für einen Moment blickt die Seele durch die Finsternis
auf die Fragmente unseres eigenen Seins –
wir nehmen Anteil und beobachten doch nur.
Und gehen, bevor der Traum endet.

Spuren

Sie führen, sie verführen, sie entführen:
von irgendwem oder irgendetwas irgendwann verblieben.
Werden gelesen, bevor sie verblassen, vielleicht.
Vom Lauf der Zeit am Ende gnadenlos gerichtet.

Wir selbst nur eine Spur im Universum:
wen führen, verführen, entführen wir?
Auch uns versucht man permanent zu lesen:
was hinter Masken und Fassaden sich verbirgt.

Nicht jede Spur hat Start und Ziel und eine Richtung.
Manch eine zwingt uns stur auf einen Kreis.
Wir folgen ihr, ein ganzes Leben,
und sind am Ende wieder hier.

So-sein oder anders-sein?

Wie ist das mit meinem Sein? Ich bin wie ich bin.
Und so wie ich bin, sehen mich andere meist anders.
Doch wer möchte nicht manchmal anders Sein, oder vielmehr:
in seinem Sein anders wahrgenommen werden?

Traurige möchten, dass ihr traurig-sein nicht bemerkt wird.
Lügner möchten, dass ihr verlogen-sein unentdeckt bleibt.
Schwache möchten ihr schwach-sein verbergen.

Und so basteln wir uns Masken, die unser wahres Sein verbergen:
Masken kommunizieren mit Masken kommunizieren mit Masken.

Vielleicht ist es das, was der radikale Konstruktivismus meint:
Alles ist entworfen: wir wollen anders sein –
und leben in einem Masterplan.
Mit Ehrlichkeit hat das nichts mehr zu tun;
und es kostet Kraft, eine Maske zu tragen.

Am Ende brauchen wir all unsere Energie, die Maske aufrecht zu halten.
Und können vor lauter anders-sein-wollen nicht mehr wir selbst sein.