VERGLEICHE

Egal, wie rau und unwirtlich die Umgebung ist, überall gibt es Leben. Im Sand, im Eis, ja sogar im All. Immer passt sich irgendjemand an irgendetwas an und richtet sich ein. Und immer kommt es darauf an, aus dem etwas zu machen, was man hat. So wie diese Alge, die im kargen Sand lebt. Ist sie unzufrieden, weil ihr Nachbar am Kliff nahrhafteren Boden hat? Vergleicht sie ihre Lebensumstände permanent mit anderen?

Unzufriedenheit setzt ein Bewusstsein voraus: die Fähigkeit, externe Reize nicht nur aufzunehmen, sondern sie zu erleben, daraus Gefühle abzuleiten, Entscheidungen zu treffen, zu denken, und sich schlussendlich dessen selbst bewusst zu sein und sich von anderen Lebewesen individuell abgrenzen zu können. All das können wir Menschen. Und doch ist es Segen und Fluch zugleich, können wir diese Fähigkeit für und gegen uns verwenden, können uns selbst glücklich oder tottraurig denken.

Was bloße Existenz nicht kann, wird im bewussten Leben zur Herausforderung, ja zur Lebensaufgabe: aus dem, was man hat, das Beste zu machen. Zufriedenheit als Funktion der eigenen Lebenseinstellung. Wer immer nur vergleicht und vermeintlich Besserem nachjagt, verliert am Ende.

Spuren

Sie führen, sie verführen, sie entführen:
von irgendwem oder irgendetwas irgendwann verblieben.
Werden gelesen, bevor sie verblassen, vielleicht.
Vom Lauf der Zeit am Ende gnadenlos gerichtet.

Wir selbst nur eine Spur im Universum:
wen führen, verführen, entführen wir?
Auch uns versucht man permanent zu lesen:
was hinter Masken und Fassaden sich verbirgt.

Nicht jede Spur hat Start und Ziel und eine Richtung.
Manch eine zwingt uns stur auf einen Kreis.
Wir folgen ihr, ein ganzes Leben,
und sind am Ende wieder hier.

Abschied

Du gingst hinweg, ich blieb zurück.
Zusammen gingen wir ein Stück
vom Weg des Lebens.
Träumten unser Morgen,
Zukunft ohne Sorgen
mit Dir. Vergebens.

Bedeutungslos war uns die Zeit.
Ein Licht voll Kraft und Ewigkeit
hast Du besessen.
Haben uns verloren,
einsam vor den Toren
steh‘ ich. Vergessen.

Seh noch Dein Lächeln voller Glanz.
Spür Dich bei mir zum letzten Tanz
wie neu geboren.
Sehnsucht voller Schmerzen,
hoffnungslos im Herzen
bin ich. Verloren.

So wie der Wind flogst Du hinfort.
An einem fernen, fremden Ort
bist Du gefangen.
Sehe Dich nie wieder,
höre Deine Lieder
nicht mehr. Vergangen.

Herbstabend

Sehnsucht atmet tiefes Schweigen
dämmernd in der Abendluft.
Scherenschnitt von leeren Zweigen
über Blättermoderduft.

Schatten fließen durch die Felder,
formen sich zum Kleid der Nacht.
Nebel sinken in die Wälder,
von der Kälte still bewacht.

Ziellos sucht sich meine Seele
einen Weg zurück ins Licht.
Welchen Pfad ich doch auch wähle –
aus dem Dunkeln führt er nicht.

Erst das sanfte Morgengrauen
atmet Leben in die Welt,
lässt uns hoffnungsvoll vertrauen,
bis der Vorhang wieder fällt.