Auflösung

Es gibt keinen Halt mehr: alles löst sich auf;
nichts mehr greifbar, nur noch an-greifbar.

In unseren Gedanken gibt es auch keine Materie:
vor mir ein Stein, in mir nur sein gedachtes Abbild.

Ich fasse den Stein an, fühle ihn; doch was ist fühlen?
Gefühl als Teil meiner Gedankenwelt.

Ich erdenke mir also eine Welt, die so nicht existiert,
die ein anderer an meiner Stelle völlig anders wahrnimmt.

Was, wenn ich mich aus meiner Welt hinausdenken könnte?
Sorgen, Leid, Trauer, Schmerzen einfach wegdenken?

Doch vielleicht wäre das zu einfach:
wer würde Probleme noch lösen, wenn er sie wegdenken könnte?

Säulen

Säulen geben unserem Leben Halt:
Sie tragen einen Teil unserer Last, die wir alleine nicht stemmen können.
Sie geben unserem Leben Sicherheit.
Sie bilden die Verbindung zwischen unserem Fundament und unserem Dach.

Oft stehen uns Säulen auch im Weg:
wir müssen um sie herumlaufen, um weiter zu kommen.
Doch Säulen brauchen Raum in unserem Leben, um ihre Funktion zu erfüllen.
Eine Säule ohne Raum ist nur Leere, sie trägt nichts, ist nutzlos.
Je massiver eine Säule ist, desto mehr Platz braucht sie;
desto mehr Raum müssen wir ihr lassen.
Platz lassen heißt dabei auch Zeit: Raum und Zeit bedingen sich gegenseitig.

Ich bin froh über die Säulen in meinem Leben.
Ich weiß auch, dass ich ihnen zu wenig Raum gebe, zu wenig Zeit widme –
Säulen brauchen Pflege, sonst beginnen sie einzustürzen.