//07 Verzweiflung//

Wir sind Gefangene unserer eigenen Gedanken.
Der immerwährende, nie endende Versuch,
sich aus den heiligen Kammern der Kindheit herauszudenken,
scheitert schlußendlich an unserem Unvermögen,
das Grundlose und Zufällige vollends zu überwinden.

Auflösung

Es gibt keinen Halt mehr: alles löst sich auf;
nichts mehr greifbar, nur noch an-greifbar.

In unseren Gedanken gibt es auch keine Materie:
vor mir ein Stein, in mir nur sein gedachtes Abbild.

Ich fasse den Stein an, fühle ihn; doch was ist fühlen?
Gefühl als Teil meiner Gedankenwelt.

Ich erdenke mir also eine Welt, die so nicht existiert,
die ein anderer an meiner Stelle völlig anders wahrnimmt.

Was, wenn ich mich aus meiner Welt hinausdenken könnte?
Sorgen, Leid, Trauer, Schmerzen einfach wegdenken?

Doch vielleicht wäre das zu einfach:
wer würde Probleme noch lösen, wenn er sie wegdenken könnte?

Galerie

Bewegung

Bewegung denken – in unseren Träumen ist alles einfach:
geistige Bewegung als notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung,
um auf dem Lebensweg voranzukommen.

Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis, zwischen innen und außen:
manch einer arbeitet sich in gedanklichen Schleifen auf,
bevor sein Körper überhaupt in Bewegung kommt –
negative Gedanken machen kraftlos, antriebslos, müde.

Wenn die Bewegung also nicht von innen kommt, dann von außen.
Ich denke also nicht Bewegung, sondern ich bewege meine Gedanken von außen:
zu Fuß, beim Schwimmen, auf dem Rennrad.
Die Bilder, die ich dabei sehe, erzeugen Resonanz, Nachhall,
sie bewegen meine Gedanken weiter, wenn mein Körper längst wieder stillsteht.