Nun sind wir frei

Am Ende wurde also alles gut. All die Anspannung schwand, und die Ängste verflüchtigten sich gleich des frühen Morgennebels im Licht der aufkommenden Sonne, wenn die Wärme in den Boden dringt und die Luftschichten unaufhaltsam nach oben drückt.

Selbst wenn ich jetzt wieder den Weg zurück in die düstere Gedankenwelt suchen sollte, so wäre es mir jedoch unmöglich, mir selbst die abgefallenen Fesseln der Finsternis wieder anzulegen. Lose hingen sie an Armen und Beinen, und nichts würde mich daran hindern, sie kraftvoll hinwegzufegen und meiner Wege zu gehen, wohin ich auch immer wollte.

[Inspiration: San Giovanni Triest, ehemaliges Krankenhaus für Psychiatrie]

//09 Erlösung//

Schließlich obliegt uns die Verantwortung für unsere Existenz.
Indem wir uns wählen, wählen wir auch die anderen:
verurteilt, frei zu sein – ohne Halt, ohne Hilfe.
Ständig außerhalb unserer selbst, müssen wir uns selbst finden;
nichts rettet uns vor uns selbst.

(Mit Tafel 9 endet nun vorerst meine Serie Reminiszenz)

Sylter Metamorphosen VI

Am Ende ist es dann nur noch Freiheit: wenn Du an der Grenze zwischen Meer und Land auf dem Rücken eines Pferdes entlangschwebst, hinter Dir eine Wolke aus Gischt und Sand, und von vorne die klare, salzige Luft. Bis schliesslich dem Wanderer am Strand nur noch ein kleiner schwarzer Punkt am Horizont verbleibt, der genauso gut von einem Fahrzeug oder einem sich im Winde neigenden Baum stammen könnte. Aber er lächelt zufrieden, weiss er es doch besser.