//09 Erlösung//

Schließlich obliegt uns die Verantwortung für unsere Existenz.
Indem wir uns wählen, wählen wir auch die anderen:
verurteilt, frei zu sein – ohne Halt, ohne Hilfe.
Ständig außerhalb unserer selbst, müssen wir uns selbst finden;
nichts rettet uns vor uns selbst.

(Mit Tafel 9 endet nun vorerst meine Serie Reminiszenz)

//08 Ekel//

Nicht denken, nicht atmen –
nicht denken, dass ich nicht denken will.
Um mich herum nichts als ungeordnete, wabbelige Masse:
das also ist die Existenz – grundlos, überflüssig, widerlich.
Ohne jede Strenge der Form, nur Ekel.

//07 Verzweiflung//

Wir sind Gefangene unserer eigenen Gedanken.
Der immerwährende, nie endende Versuch,
sich aus den heiligen Kammern der Kindheit herauszudenken,
scheitert schlußendlich an unserem Unvermögen,
das Grundlose und Zufällige vollends zu überwinden.

//06 Erinnerung//

Die Erinnerung wird zum Land,
in welches das Licht der Gegenwart nicht mehr hineinscheint.
Und doch sind wir selbst unsere Geschichte,
sind Co-Autoren unserer eigenen Identität.
Solange wir schreiben, leben wir.

//04 Erkenntnis//

Und irgendwann stirbt Schneewittchen.
Indem wir Erfahrung und Erkenntnis gewinnen,
verlieren wir die Leichtigkeit des Seins.
Erdenken uns eine Notwendigkeit jenseits der Zufälligkeit –
zur Rechtfertigung unserer eigenen Existenz.

//03 Träume//

Träume sind die verlassenen Kammern hinter unseren Masken.
Für einen Moment blickt die Seele durch die Finsternis
auf die Fragmente unseres eigenen Seins –
wir nehmen Anteil und beobachten doch nur.
Und gehen, bevor der Traum endet.

//02 Masken//

Als Kind trugen wir keine Masken – wir waren wir selbst.
Doch irgendwann begaben wir uns auf die Suche nach diesem Selbst –
und fanden Masken, Rollen und Identitäten.
Indem wir uns erschufen, entgingen wir der Zufälligkeit der Existenz:
eine Maske, um dem Dasein eine Notwendigkeit zu geben.