Spuren

Sie führen, sie verführen, sie entführen:
von irgendwem oder irgendetwas irgendwann verblieben.
Werden gelesen, bevor sie verblassen, vielleicht.
Vom Lauf der Zeit am Ende gnadenlos gerichtet.

Wir selbst nur eine Spur im Universum:
wen führen, verführen, entführen wir?
Auch uns versucht man permanent zu lesen:
was hinter Masken und Fassaden sich verbirgt.

Nicht jede Spur hat Start und Ziel und eine Richtung.
Manch eine zwingt uns stur auf einen Kreis.
Wir folgen ihr, ein ganzes Leben,
und sind am Ende wieder hier.

Sylter Metamorphosen V

Und doch mag es einem Glauben schenken, man könne einfach den Weg entlanglaufen, weiter über das Watt hinaus in das offene Meer, immerfort. Aber je weiter wir gingen, desto näher kämen wir dem Ort, von dem wir einmal aufgebrochen sind. Schliesslich, atemlos ob unserer Reise, ständen wir eines Tages erneut an diesem Weg, von dem wir nun wüssten, dass wir ihn niemals verlassen könnten, so weit und schnell wir auch liefen.

Anfang

Ich stehe am Anfang. Nicht davor, nicht danach, nein: genau darauf.
Anfang heißt: da kommt was – doch kommt es wirklich?
Von nichts kommt nichts. Kein Anfang, keine Bewegung, und auch kein Ende.
So ist das: solange ich am Anfang stehe, fängt nichts an.

ICH bin der Anfang, die Bewegung, das Ende. ICH muss mich bewegen.
Die Trägheit überwinden ist das Grundproblem:
auf dem Sofa ist es gemütlicher als draußen im Wind.
Doch während ich auf dem Sofa sitze, bewegen sich alle anderen:
sie bewegen sich – von mir weg.

Ich überlege: was wollte ich doch gleich? Glücklich sein?
Doch um glücklich zu sein muss ich was anfangen.
Und mit dem Glück ist es wie mit dem Anfang: ohne Bewegung ist nichts.

Ein Teufelskreis:
ohne Bewegung kein Anfang,
ohne Anfang kein Glück,
ohne Glück keine Kraft für Bewegung.

Und doch: einmal nur muss ich die Kraft für Bewegung aufbringen.
Dann entsteht Dynamik.
Und schließlich funktioniert das auch mit dem Glück, vielleicht.