VERGLEICHE

Egal, wie rau und unwirtlich die Umgebung ist, überall gibt es Leben. Im Sand, im Eis, ja sogar im All. Immer passt sich irgendjemand an irgendetwas an und richtet sich ein. Und immer kommt es darauf an, aus dem etwas zu machen, was man hat. So wie diese Alge, die im kargen Sand lebt. Ist sie unzufrieden, weil ihr Nachbar am Kliff nahrhafteren Boden hat? Vergleicht sie ihre Lebensumstände permanent mit anderen?

Unzufriedenheit setzt ein Bewusstsein voraus: die Fähigkeit, externe Reize nicht nur aufzunehmen, sondern sie zu erleben, daraus Gefühle abzuleiten, Entscheidungen zu treffen, zu denken, und sich schlussendlich dessen selbst bewusst zu sein und sich von anderen Lebewesen individuell abgrenzen zu können. All das können wir Menschen. Und doch ist es Segen und Fluch zugleich, können wir diese Fähigkeit für und gegen uns verwenden, können uns selbst glücklich oder tottraurig denken.

Was bloße Existenz nicht kann, wird im bewussten Leben zur Herausforderung, ja zur Lebensaufgabe: aus dem, was man hat, das Beste zu machen. Zufriedenheit als Funktion der eigenen Lebenseinstellung. Wer immer nur vergleicht und vermeintlich Besserem nachjagt, verliert am Ende.

//08 Ekel//

Nicht denken, nicht atmen –
nicht denken, dass ich nicht denken will.
Um mich herum nichts als ungeordnete, wabbelige Masse:
das also ist die Existenz – grundlos, überflüssig, widerlich.
Ohne jede Strenge der Form, nur Ekel.