Stillstand

In einer Gesellschaft, in der Stillstand nicht akzeptiert wird, bewegt sich jeder ständig. Und derjenige, der keinen Grund für Bewegung hat, täuscht sie vor. Auf einer Bühne skurriler Scheinbewegungen entsteht das wahre Bild des Stillstands: Bewegung ohne Ziel und Zweck, ohne Sinn und Verstand. In Vorwegnahme einer erwarteten Bewegung suchen wir uns präventiv einen Grund zur Rechtfertigung unseres Handelns. Der Esel, der der berühmten Karotte am Ende der Stange nachläuft, die doch gleichzeitig auch auf seinem Rücken festgebunden ist, hat die Karotte selbst dorthin gehängt.

Sylter Metamorphosen VI

Am Ende ist es dann nur noch Freiheit: wenn Du an der Grenze zwischen Meer und Land auf dem Rücken eines Pferdes entlangschwebst, hinter Dir eine Wolke aus Gischt und Sand, und von vorne die klare, salzige Luft. Bis schliesslich dem Wanderer am Strand nur noch ein kleiner schwarzer Punkt am Horizont verbleibt, der genauso gut von einem Fahrzeug oder einem sich im Winde neigenden Baum stammen könnte. Aber er lächelt zufrieden, weiss er es doch besser.

Galerie

Bewegung

Bewegung denken – in unseren Träumen ist alles einfach:
geistige Bewegung als notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung,
um auf dem Lebensweg voranzukommen.

Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis, zwischen innen und außen:
manch einer arbeitet sich in gedanklichen Schleifen auf,
bevor sein Körper überhaupt in Bewegung kommt –
negative Gedanken machen kraftlos, antriebslos, müde.

Wenn die Bewegung also nicht von innen kommt, dann von außen.
Ich denke also nicht Bewegung, sondern ich bewege meine Gedanken von außen:
zu Fuß, beim Schwimmen, auf dem Rennrad.
Die Bilder, die ich dabei sehe, erzeugen Resonanz, Nachhall,
sie bewegen meine Gedanken weiter, wenn mein Körper längst wieder stillsteht.

 

Audio

Metall

Geräusche von Metall auf Metall: kalt, hart, präzise.
Etwas bewegt sich, wird bewegt, bewegt etwas Anderes.
Am Ende plötzlich Stille: es hat aufgehört,
um irgendwann neu beginnen zu können.
So wie im richtigen Leben.

Wir hören das Geräusch, ein Bild entsteht: Resonanz.
Überlegen, vergleichen und dann: erkennen.
Bilder erzeugen neue Bilder – wecken Erinnerungen.

Mehr zu diesem Geräusch im nächsten Beitrag:

Anfang

Ich stehe am Anfang. Nicht davor, nicht danach, nein: genau darauf.
Anfang heißt: da kommt was – doch kommt es wirklich?
Von nichts kommt nichts. Kein Anfang, keine Bewegung, und auch kein Ende.
So ist das: solange ich am Anfang stehe, fängt nichts an.

ICH bin der Anfang, die Bewegung, das Ende. ICH muss mich bewegen.
Die Trägheit überwinden ist das Grundproblem:
auf dem Sofa ist es gemütlicher als draußen im Wind.
Doch während ich auf dem Sofa sitze, bewegen sich alle anderen:
sie bewegen sich – von mir weg.

Ich überlege: was wollte ich doch gleich? Glücklich sein?
Doch um glücklich zu sein muss ich was anfangen.
Und mit dem Glück ist es wie mit dem Anfang: ohne Bewegung ist nichts.

Ein Teufelskreis:
ohne Bewegung kein Anfang,
ohne Anfang kein Glück,
ohne Glück keine Kraft für Bewegung.

Und doch: einmal nur muss ich die Kraft für Bewegung aufbringen.
Dann entsteht Dynamik.
Und schließlich funktioniert das auch mit dem Glück, vielleicht.