Geräusche sehen

Kürzlich habe ich damit begonnen, mich intensiver mit der Bearbeitung von Audiodateien auseinanderzusetzen. Bisher beschränkte sich mein Wissen rein auf die Aufzeichnung via iPhone oder SLR-Kamera, den Zuschnitt auf die richtige Länge und die Konvertierung in das gewünschte Format. Nun, nach Anschaffung eines wunderbaren „Handy-Recorders“, habe ich das zum Anlass genommen, mich in die Software „Adobe Audition“ einzuarbeiten – und war erstaunt über die Parallelen zwischen Bild- und Tonbearbeitung. Aus Photoshop kennt man das ja: Bildbereiche auswählen, Bereiche löschen und ersetzen, störende Flecke wegstempeln. Als ich nun die zuletzt gebloggte Tondatei mit dem sich entzündenden Streichholz öffnete und in der Darstellung die Spektralfrequenzanzeige wählte, ergab sich obige Darstellung: ein aufgenommenes Geräusch als Bild, nach rechts die Zeit, nach oben die Frequenz aufgetragen, und in der Helligkeit die Intensivität der Töne – Ästhetik der Akustik. In diesem Diagramm kann man nun genauso wie in Photoshop störende Geräuscheinflüsse mit dem Pinsel „wegmalen“, Bereiche auswählen und löschen, Effekte auf die Selektion anwenden. Erstaunt über die Parallelität zwischen Bild und Ton wurde mit klar: am Ende sind alles doch nur Bits und Bytes, Tonwellen werden zu Pixeln, Pixel zu Symphonien. Unweigerlich musste ich an den Film „Matrix“ denken: wir laufen durch eine Welt aus Zahlenkolonnen. Wenn ich das nächste Mal losziehe, um Bilder zu machen oder Töne aufzuzeichnen, werde ich versuchen, das wieder zu vergessen: ich will nicht den Himmel in RGB-Werten sehen, nicht das Rauschen des Wassers als Hertz-Frequenz hören. Sondern einfach nur (er-)leben.