Herbstabend

Sehnsucht atmet tiefes Schweigen
dämmernd in der Abendluft.
Scherenschnitt von leeren Zweigen
über Blättermoderduft.

Schatten fließen durch die Felder,
formen sich zum Kleid der Nacht.
Nebel sinken in die Wälder,
von der Kälte still bewacht.

Ziellos sucht sich meine Seele
einen Weg zurück ins Licht.
Welchen Pfad ich doch auch wähle –
aus dem Dunkeln führt er nicht.

Erst das sanfte Morgengrauen
atmet Leben in die Welt,
lässt uns hoffnungsvoll vertrauen,
bis der Vorhang wieder fällt.

Sylter Metamorphosen I

Die Sonne schien flach über das Feld, knapp über dem Horizont. Ihre Wärme begann der abendlichen Frische zu weichen, und das Gold in den Ähren wurde von Sekunde zu Sekunde schwächer, indem die Strahlen einer nach dem anderen abgeschnitten und vom Watt verschluckt wurden. Was gerade noch heiter und fröhlich am Wasser entlangsäuselte, erschien jetzt düster und schwer. Eine schwarze, wabernde Masse nagte am Strand, unaufhörlich, unnachgiebig.