//03 Träume//

Träume sind die verlassenen Kammern hinter unseren Masken.
Für einen Moment blickt die Seele durch die Finsternis
auf die Fragmente unseres eigenen Seins –
wir nehmen Anteil und beobachten doch nur.
Und gehen, bevor der Traum endet.

//02 Masken//

Als Kind trugen wir keine Masken – wir waren wir selbst.
Doch irgendwann begaben wir uns auf die Suche nach diesem Selbst –
und fanden Masken, Rollen und Identitäten.
Indem wir uns erschufen, entgingen wir der Zufälligkeit der Existenz:
eine Maske, um dem Dasein eine Notwendigkeit zu geben.

//01 Verlassenheit//

Zuviel – nicht fehlen können, weil wir da sind.
Der Versuch, die Kontingenz der Existenz zu ertragen:
kein Anfang, kein Ende, kein Wesen, keine Funktion.
Und die absurde Gewißheit, dass die Hölle die anderen sind.

Erste Tafel aus meiner Serie „Reminiszenz“, bestehend aus 9 Tafeln. Die Bilder und Gedanken entstammen meiner Auseinandersetzung mit Sartres Theorie des Existenzialismus, die mich bis heute nicht mehr losgelassen hat. Es folgen weitere Tafeln, sowie eine Erläuterung zur Entstehung der Serie. Als Einleitung hierzu: „Jean-Paul-Sartre und sein philosophisches Werk des Existentialismus bilden die gedankliche Inspiration für die einzelnen Bilder, die in ihrer Dramaturgie aufeinander aufbauen. Kurze Meditationen zur Frage des Seins, der Rechtfertigung der Existenz oder der Rolle des Individuums sollen Anstoß zur weiteren gedanklichen Verarbeitung geben.“

Spuren

Sie führen, sie verführen, sie entführen:
von irgendwem oder irgendetwas irgendwann verblieben.
Werden gelesen, bevor sie verblassen, vielleicht.
Vom Lauf der Zeit am Ende gnadenlos gerichtet.

Wir selbst nur eine Spur im Universum:
wen führen, verführen, entführen wir?
Auch uns versucht man permanent zu lesen:
was hinter Masken und Fassaden sich verbirgt.

Nicht jede Spur hat Start und Ziel und eine Richtung.
Manch eine zwingt uns stur auf einen Kreis.
Wir folgen ihr, ein ganzes Leben,
und sind am Ende wieder hier.

Grenzen

Sie sind überall. Sichtbar, unsichtbar, real, imaginär.
Manche trennen, blockieren, schmerzen, lassen verzweifeln.
Andere schützen, regeln, leiten, helfen.
Oft machen sie beides gleichzeitig, je nach Perspektive.

Viele Grenzen sind gar keine: sie existieren nur in unseren Köpfen.
Leicht könnte man sie umgehen, vergessen, wegdenken.
Aber nichts ist so stabil wie ein Grenzgedanke:
festhalten ist wie so oft leichter als loslassen.

Grenzen sind vielfach auch wichtig und sinnvoll.
Sie werden dann zum Problem,
wenn der Nutzen des einen gleichzeitig der Schaden des anderen ist.
Die wenigsten bekommen gerne eine Grenze aufgezeigt.

Und schließlich sind wir Gefangene unserer eigenen Grenzen:
weil wir sie nicht erkennen oder erkennen wollen;
weil wir nicht die Kraft haben, sie zu überwinden;
oder weil wir, und das ist das Schlimmste, resigniert haben.