IRR-REAL

In allem, was wir sehen, spielen wir selbst die zentrale Rolle. Was wir sehen, sieht niemand außer uns – zu diesem Zeitpunkt, an diesem Ort. Vielleicht ein paar Meter weiter, ja, aber das ist etwas anderes. Und dann ist da ja noch die Interpretation: jeder nimmt das, was er sieht, anders wahr. Und so stehe ich an dem Geländer, sehe das Gewässer und meinen Schatten darüber, blicke in meine eigene Welt. Und als ich weitergehe, die ewige Frage: existiert dieser Ort jetzt noch? Oder existierte er nur in exakt dem Augenblick meiner Anwesenheit? Fast wie die Frage eines Kindes, ob im geschlossenen Kühlschrank das Licht noch brennt.

Die Erkenntnistheorie des radikalen Konstruktivismus sagt: die Realität besteht unabhängig vom Individuum und kann von diesem nicht reproduziert werden. Jede Wahrnehmung ist vollständig subjektiv, es gibt also keine Objektivität, da die Realität für jeden immer nur eine Konstruktion der eigenen Sinnes- und Gedächtnisleitung ist. Demnach wäre alles, was ich wahrnehme, im wahrsten Sinne des Wortes einzigartig. Und je länger ich darüber nachdenke, desto bewusster wird mir die Besonderheit meines Lebens.

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