Nichts

Ich stand auf und hörte in die Szenerie hinein. Nichts. Diese Absolutheit der Stille definierte einen nahezu irrealen Bewusstseinszustand: wann hatte ich zuletzt Stille gehört? Ich schloss die Augen, und da war sie wieder: die durch das Vakuum ausgelöste Panik, die nur denjenigen in den Wahnsinn treiben kann, der es besser weiß. Hätte ich nie gehört, nie gesehen, alles wäre gut. Es wäre kein Verlust, vielmehr Gewinn: mehr Raum für anderes, mehr Klarheit des Seins. Ich würde keine Wörter denken, keine Farben, keine Töne. Wüsste nicht, was Zeit ist oder Ort. Hätte keine Ahnung von gut und böse. Wäre nur im Hier und Jetzt. Die Wärme der Sonne auf der Haut, der Duft der Blumenwiese, der Geschmack von Schokolade als Relikte einer Welt, die wir nur allzuoft ausblenden. Erleben ohne Erklärung, Empfinden ohne Worte, Bewusstsein ohne Grund, am Ende nur Sein. Und keine Angst vor dem Tod, der kein Bestandteil meiner Welt wäre: kein lebenslanger Begleiter, ein undefiniertes Ende nur, der nur den Wissenden einzuschüchtern vermag. Und ebenda lediglich in seiner finalen Konsequenz identisch. Was ist schlimmer? Mit der Fessel der Erkenntnis in Angst leben oder in Unwissenheit frei und glücklich sein?

5 Gedanken zu “Nichts

  1. Das sind interessante Gedanken, die mich an den Herauswurf aus dem Paradies erinnern.
    Erkenntnis und Angst vor dem Sterben als ein Paar…Die 2 Fragen am Ende dazu haben für mich irgendeinen Haken, klingen sogar falsch…Gibt es nicht auch Erkenntnis und Bereicherung, …und Entwicklung, Erkenntnis und Vertrauen, und macht uns Erkenntnis nicht letztendlich zu Menschen? Hieße die Frage dann nicht: Wollen oder müssen wir Mensch sein mit all seinen Folgen?

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    1. Stimmt, ein Leben ohne Erkenntnis gibt es zum Glück nicht. Das ist die Hoffnung: dass Erkenntnis bereichert und uns den zukünftigen Weg bereitet. Ich hatte nur den Gedanken, dass es manchmal leichter ist, etwas nicht zu erkennen, nicht zu wissen. Ob das dann am Ende besser ist, kann ich auch nicht beantworten.

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